Serpentinen, Passhöhen und alpines Asphaltglück auf zwei Rädern.
Kaum etwas verbindet Fahrspass und Bergerlebnis so unmittelbar wie eine Passfahrt mit dem Motorrad. Jede Kehre öffnet einen neuen Blick, jeder Höhenmeter verändert die Landschaft, und auf der Passhöhe wartet die Belohnung in Form eines Rundumpanoramas, das man sich erfahren hat. Der grosse Vorteil der Schweiz: Die Alpenpässe sind mautfrei, eine Vignette brauchst du nur für die Autobahn.
Der Sustenpass auf 2’224 m gilt vielen Bikern als die am schönsten angelegte Passstrasse der Schweiz. Ab Wassen reiht sich auf griffigem Asphalt eine harmonisch gezogene Kehre an die nächste, oben am Berggasthaus Sustenpass Hospiz wartet ein grandioses Panorama, und die Abfahrt nach Innertkirchen liefert ein intensives Achterbahngefühl.
Der Furkapass auf 2’429 m verbindet Wallis und Berner Oberland und ist ein Traum für panoramaverliebte Fahrer: Die Strasse schraubt sich in endlosen Kehren hinauf, immer wieder mit Blick auf den Rhonegletscher. Der Halt am Belvedere oberhalb des Eises ist fast schon Pflicht. Wer Furka, Grimsel und Susten zur klassischen Drei-Pässe-Runde verbindet, erlebt an einem Tag drei sehr verschiedene Charaktere alpiner Strassenbaukunst.
Diese Hochpässe lohnen die Anfahrt besonders:
Wer Herausforderung sucht, findet sie etwa am Splügenpass mit seinen extrem engen Spitzkehren und teils rauem Asphalt Richtung Chiavenna, oder am Klausenpass, auf dem zwischen 1922 und 1934 legendäre Bergrennen stattfanden und heute Kopfsteinpflaster, Kuhweiden und weite Uri-Blicke wechseln. In Graubünden führt der Flüelapass von Davos nach Susch durch fast kanadisch wirkende Hochgebirgslandschaft, und der Albulapass zeigt oberhalb der Baumgrenze eine schroffe Mondlandschaft mit Seen und Geröllfeldern. Der Berninapass auf 2’328 m bietet Gletscherblicke auf Piz Bernina und Piz Palü, dazu die berühmte Bahnlinie als Kulisse.
Passstrassen verlangen vorausschauendes Fahren. Die Kehren sind oft enger, als sie aussehen, und Schotter, Kopfsteinpflaster oder Nässe in der Kurve verzeihen keinen Übermut. Auf dem Gotthard fordert die legendäre Tremola mit ihren gepflasterten Spitzkehren volle Konzentration. Plane Reserven bei der Bremsleistung ein und rechne mit Gegenverkehr, der die Linie schneidet. Feste und mobile Radarkontrollen sind verbreitet, und die Bussen in der Schweiz sind happig.
Auf einer Passfahrt gewinnt nicht, wer am schnellsten oben ist, sondern wer am meisten von der Strecke mitnimmt.
Die meisten Pässe sind von Juni bis Oktober offen, im Frühjahr und Herbst drohen Schnee und Eis. Starte früh, denn am Vormittag sind die Strassen leerer und das Licht über den Gipfeln am klarsten. Eine warme Schicht und gute Handschuhe gehören auch im Hochsommer ins Gepäck, weil es auf über 2’000 m selbst bei Sonnenschein empfindlich kühl werden kann. Wer mehrere Pässe verbinden will, sollte über die Via Alpina hinaus ruhig zwei Tage einplanen, um genug Zeit für Pausen und Aussicht zu haben.