
Der grösste Kanton der Schweiz und sein wildes Herz aus Tälern, Pässen und dem einzigen Nationalpark des Landes.
Graubünden ist gross, sprachlich vielfältig und überraschend ruhig. Wer die bekannten Orte St. Moritz und Davos hinter sich lässt, findet stille Seitentäler, in denen man stundenlang allein unterwegs ist.
Der Schweizerische Nationalpark bei Zernez ist das strengste Schutzgebiet des Landes und bietet ein Wandererlebnis, das es so kein zweites Mal gibt. Insgesamt durchziehen über 11’000 km Wanderwege den Kanton, vom sanften Talweg bis zur ausgesetzten Gratroute.
Im Gebiet um Davos führt eine mittelschwere Tour von Sertig Dörfli über den Sertigpass zum Scalettapass, rund 600 Höhenmeter, begleitet von satten Bündner Wiesen und regelmässigen Murmeltier-Begegnungen. Anspruchsvoller ist die rund 16 km lange Ducankette südlich von Davos: von Monstein über die Fanezfurgga ins Sertigtal, mit Trias-Fossilien, kleinen Gletscherresten und steinigen, teils nassen Passagen. Im Prättigau lohnt der Panyer Rundweg ab Pany zum Chrüz (3-4 Std., mittel) über Alpweiden und urige Maiensässe mit grandiosem Gipfelpanorama.
Ein Geheimtipp ist der türkisblaue Lej da la Tscheppa auf 2’610 m oberhalb von Silvaplana, ein Aufstieg von rund 950 Höhenmetern durch Arvenwälder ohne Einkehr und mit seltener Stille. Wer das Hochtal kennenlernen will, beginnt im benachbarten Engadin und kann von dort tief ins Val Müstair vorstossen, ein ruhiges UNESCO-Biosphärenreservat mit dem Welterbe-Kloster St. Johann und vielen Almen und Bergseen.
Spektakulär ist die Wanderung durch die Rheinschlucht Ruinaulta von Ilanz nach Reichenau, vorbei an bis zu 300 m hohen Sandsteinwänden und am Fluss, dessen Farbe je nach Lichteinfall wechselt. Im Pizolgebiet ist die 5-Seen-Wanderung der Klassiker (rund 11 km, 750 Höhenmeter, 4-5 Std.); wer es kürzer mag, nimmt den Höhenweg Pizol-Gaffia. Für geübte Berggänger fordert der Aufstieg zum Laaxer Stöckli ab der Bergstation Nagens (ca. 7 km, 900 Höhenmeter, T4) mit kurzem, drahtseilgesichertem Klettersteig und Blick aufs berühmte Martinsloch. Wer solche Touren plant, sollte sich vorab mit den Grundlagen für Klettersteig-Einsteiger und einer soliden Ausrüstung befassen.
Ausgangspunkt ist Chur, von wo die Rhätische Bahn und das Postauto auch entlegene Täler und Pässe erschliessen. Wandern ist fast ganzjährig möglich: Frühling und Sommer bringen grüne Berge und Blütenwiesen, der Herbst leuchtende Lärchen, im Winter bleiben tiefere Lagen begehbar, während hohe Routen gesperrt sind. Gutes Schuhwerk, wetterfeste Kleidung, Wasser, Proviant, Sonnenschutz und Wanderkarte gehören in jeden Rucksack.