Wie du aufziehende Gewitter erkennst und am Berg richtig reagierst.
Kaum etwas verändert eine Bergtour so schlagartig wie ein Wettersturz. Was am Morgen als heiterer Anstieg begann, kann am Nachmittag in Hagel, Blitzschlag und Unterkühlung enden. In den Alpen ziehen Gewitter oft innerhalb einer Stunde auf, und gerade im Sommer entladen sie sich am späten Nachmittag über den Gipfeln. Wer die Zeichen lesen kann, ist klar im Vorteil.
Ein aufziehendes Gewitter kündigt sich fast immer an. Quellwolken, die sich am Vormittag rasch zu Türmen auftürmen, sind das deutlichste Signal. Dazu kommen schwüle Luft, ein plötzlich auffrischender Wind und ein fernes Grollen. Wenn die Wolken eine dunkle, ambossförmige Spitze entwickeln, bleiben oft nur noch Minuten.
Die wichtigste Regel lautet: Gipfel, Grate und exponierte Stellen sofort verlassen. Das gilt umso mehr für ausgesetzte Passagen, wie sie beim alpinen Wandern häufig vorkommen. Suche tiefer gelegenes Gelände, meide einzelne Bäume, Drahtseile und Metallgeländer. In einer Mulde kauerst du dich mit geschlossenen Beinen auf den Rucksack, ohne den Boden grossflächig zu berühren.
Wer schon vor sieben Uhr aufbricht, ist am frühen Nachmittag wieder im Tal - dann, wenn die meisten Wärmegewitter erst entstehen.
Plane die Tour so, dass du den höchsten Punkt am Vormittag erreichst. Prüfe abends vorher den Bergwetterbericht und unterwegs, wenn möglich, das Radar auf dem Handy. Im Zweifel gilt: Umkehren ist keine Niederlage, sondern erfahrene Bergsteigerei.
Das Wetter am Berg verzeiht keine Selbstüberschätzung. Ein klarer Plan, ein früher Start und der ehrliche Mut zur Umkehr sind dein bester Schutz, ebenso wie die Grundregeln zur Sicherheit am Berg. Den Gipfel gibt es auch morgen noch, und er steht stabiler als jede Schönwetterprognose.