Auf alten Routen zu Klöstern und Wallfahrtsorten zwischen Bodensee und Genfersee.
Seit der Mensch sesshaft wurde, begann er zu pilgern. Lange bevor das Wandern zum Freizeitvergnügen wurde, zogen Gläubige zu Fuss durch die Schweiz - aus Glauben, Busse oder Dankbarkeit. Die alten Pilgerwege sind bis heute erhalten und erleben eine stille Renaissance. Sie verbinden Landschaft, Geschichte und innere Einkehr auf eine Weise, die kaum eine andere Tour bietet.
Der bekannteste Schweizer Pilgerweg ist der Jakobsweg, in der Schweiz als nationale Wanderroute Nr. 4 ViaJacobi von SchweizMobil ausgeschildert. Er führt von Rorschach am Bodensee über St. Gallen, Einsiedeln und Fribourg bis nach Genf. Von dort zieht er weiter Richtung Santiago de Compostela. Über Jahrhunderte folgten Gläubige dieser Route, und noch heute weisen gelbe Pfeile und das Jakobsweg-Symbol mit der Muschel den Weg.
Der historische Teilabschnitt von Konstanz zum Wallfahrtsort Einsiedeln trägt den Namen Schwabenweg und gehört zu den ältesten dokumentierten Pilgerrouten der Region. Das Kloster Einsiedeln im Kanton Schwyz ist seit dem Mittelalter der wichtigste Wallfahrtsort der Schweiz. Die Schwarze Madonna in der Gnadenkapelle zieht bis heute Hunderttausende an. Wer von Zürich oder Zug zu Fuss anreist, folgt teils denselben Pfaden wie die Pilger früherer Epochen. Die Region rund um den Wallfahrtsort lässt sich gut mit einer Tour durch die Zentralschweiz oder den Kanton Schwyz verbinden.
Dass die Routen begehbar und gut markiert bleiben, ist auch das Verdienst von Vereinen wie jakobsweg.ch und dem Pilgerzentrum Zürich. Sie arbeiten mit grossem ehrenamtlichem Engagement daran, die Infrastruktur zu bewahren, beraten Pilgernde und vermitteln Unterkünfte. Das Angebot reicht von einfachen Herbergen und Klöstern bis zu Hotels, oft zu bescheidenen Preisen und mit grosser Gastfreundschaft.
Pilgern hat sich gewandelt. Viele, die heute losziehen, suchen weniger das religiöse Ziel als die Erfahrung des langsamen Gehens. Die Wege geben Struktur, Tag für Tag, Etappe für Etappe, und ermöglichen eine persönliche Auszeit ebenso wie Begegnungen mit anderen Pilgernden.
Kulturell sind die Routen ein Schatz. Sie führen an romanischen Kirchen, alten Brücken und Bildstöcken vorbei, die von der Frömmigkeit vergangener Jahrhunderte zeugen. Wer mit offenen Augen geht, liest in dieser Landschaft ein Stück europäischer Geschichte. Wer das langsame Gehen schätzt, findet auch auf den historischen Saumpfaden ähnlich tief in der Geschichte verwurzelte Routen. Die beste Saison reicht von Mai bis Oktober, wenn die Passübergänge schneefrei und die Herbergen geöffnet sind.